DKZA – Making Of

CASTING

Ende August 2012 öffneten rund 1.400 Frankfurter Frauen, Stiftsfrauen des St. Katharinen- und Weißfrauenstifts, einen Brief…

Der Brief enthält die Einladung beim DKZA Foto-Shooting mitzumachen. Voraussetzung sei die Teilnahme an einem Auswahlverfahren (Casting) und die Bereitschaft, aus dem eigenen Leben zu erzählen: von früher und heute, Erinnerungen an den persönlichen Werdegang, das Berufsleben, die Familie und gerne auch einige Weisheiten des Alters.

Die Chance zu erzählen, sich zu präsentieren und fotografiert zu werden, wollen sich 100 Stiftsfrauen zwischen 60 und 101 Jahren nicht entgehen lassen. Und so sitzen die Kandidatinnen an fünf Tagen im September und Oktober 2012 der gespannten DKZA Jury gegenüber.

Jede Frau erzählt 15 bis 20 Minuten. Und das DKZA Team kommt aus dem Staunen kaum heraus. Die „ältere“ Generation ist wahrlich nicht auf den Mund gefallen. Selbst wenn die Leistungsfähigkeit des Körpers nachlässt – einige Damen erscheinen mit Rollstuhl, Krücken oder Rollator – das Erinnerungsvermögen, der sprachliche Ausdruck und der Esprit müssen noch lange nicht darunter leiden. Besonders deutlich wird das, wenn Frankfurterisch gebabbelt wird.

Ein durchschnittlich 78jähriges Menschenleben ist gefüllt mit viel Freude, Schmerz, tiefer Trauer, Stolz und immer wieder ein wenig Melancholie, gerade beim Erzählen. Hinzukommen Lebensmut und der feste Wille, sich nicht unterkriegen zu lassen. Die allein¬stehenden Stiftsfrauen sind Kämpferinnen. Wie nach einer geheimen Drehbuch¬anweisung erzeugen die Kandidatinnen – im Licht durchfluteten Veranstaltungsraum der Niederurseler Wohnanlage des St. Katharinen- und Weißfrauenstifts – ein Wechselbad der Gefühle.

Die DKZA Jury, Fotograf Hans Keller, Make-up-Artistin Regine Hoffmann, Projektmanagerin Nadja Dragovic, hört gebannt zu und stellt einfühlsame Fragen. Das können Nadja Dragovic und Regine Hofmann besonders gut. Hans Keller ist eher der zurückhaltende Beobachter und lässt die Erzählung auf sich wirken. Die andächtige und heitere Stimmung des Castings ist eine Werbeveranstaltung für mehr Verständnis und Respekt unter den Generationen.

Am letzten Tag des Castings macht die DKZA Jury übrigens noch 4 Hausbesuche bei Stiftsfrauen, die ihr Bett nicht mehr verlassen können.

Nach 5 Tagen Casting ist das DKZA Team müde, aber glücklich. In den folgenden Tagen beginnt das schwierige Auswahlverfahren, „weil es jede Frau verdient hätte“, dabei zu sein…
Die 30 Gewinnerinnen werden im Frühjahr 2013 im Frankfurter Fotostudio Onlight von Hans Keller fotografiert.

 


 

RECALL

Sed-Cards unserer Models…


PHOTO – SHOOTING

Martha R. ist nervös. „Ich bin 101 Jahre. Da steht man nur noch selten im Rampenlicht. So viel Interesse an meiner Person, das ist schon was Besonderes.“ Sie rückt ihren Hut gerade, richtet sich auf, schaut mit wachen Augen in die Kamera.

Hans Keller hält den Augenblick fest. Martha Rehmer ist Casting-Model 26. Als eine von 104 Frauen des Frankfurter St. Katharinen- und Weißfrauenstift gewährt sie den drei Initiatoren der Ausstellung bereitwillig sensible Einblicke in ihre bewegte Vita. 30 der 104 Stiftsfrauen kamen in die zweite Runde und werden von Hans Keller in dessen Fotostudio ONLIGHT professionell portraitiert. „Der Look der Fotos ist hell, schattenlos und natürlich. Eben so authentisch wie die Lebensgeschichten der Frauen.“ Make-up-Artistin Regine Hoffmann ergänzt: „Keine Inszenierung! Alle Kleidungsstücke und Accessoires stammen aus dem persönlichen Fundus unserer Models. Dementsprechend individuell ist auch ihr Make-up.“

Das Ergebnis? Eine fotografische Hommage an das Älterwerden, ein Plädoyer der Lebenslust und zugleich ein stiller Appell an unsere Gesellschaft: Vitalität darf keine Frage des Alters und kein Privileg der Jugend sein! Eine Erkenntnis, die DKZA-Projektmanagerin Nadja Dragovic bereits während der Vorbereitung gewonnen hat „Die Aussicht, eines Tages alt zu sein, hat mich früher konsterniert. Durch die intensive Zusammenarbeit mit den Stiftsfrauen sehe ich das gelassener. Es liegt an jedem selbst, das Leben bis zum letzten Tag zu genießen.“

Über sechs Monate sind vergangenen, seit die Initiatoren das erste Mal den Frauen des St. Katharinen- und Weißfrauenstifts begegnet sind. Bevor am 30. September die Ausstellung in der Galerie im Kundenzentrum der Frankfurter Sparkasse eröffnet, laufen die letzten Vorbereitungen auf Hochtouren. Besonders freuen sich Hans Keller, Regine Hoffmann und Nadja Dragovic, ihre betagten Models vor Ort wiederzutreffen. Eine wird nicht dabei sein: Martha Rehmer. Sie starb am 14. Juni 2013.

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