Stiftungszeitung St. Katharinen- und Weißfrauenstift, April 2013

Hans Keller macht aus Stiftsfrauen Shootingstars

Im September und Oktober 2012 bat der Frankfurter Fotograf Hans Keller für sein Kunstprojekt „DIE KUNST ZU ALTERN“ knapp über 100 Stiftsfrauen zu einem Casting-Termin in unsere Wohnanlage Kreuzerhohl nach Niederursel. Nach den Probeaufnahmen wurden über 30 Stiftsfrauen benachrichtigt, dass Sie beim Shootingdabei sind. Hans Keller: „Es war superschwer für uns eine Auswahl zu treffen. Wir mussten staunen, lachen und manchmal hatten wir eine Träne im Auge.“ Das Casting hat allen beteiligten Stiftsfrauen sehr gefallen. Ein tolles Erlebnis.

Doris Borowski, 79, ist die erste Stiftsfrau, die von Hans Keller in seinem Atelier in der Ederstraße, einen Steinwurf vom Frankfurter Westbahnhof entfernt, fotografiert wird. Sie kommt mit einer Tasche Lieblingsstücken: Roter Rollkragenpulli, langer dunkler Rock mit Hahnentrittmuster, Pumps und … „Ich glaub‘ es nicht“, ruft Stylistin Erika von Landwüst, „eine Fellweste“. Vorhang zu, und der erste Shootingstar muss sich umziehen. Danach kommt Make-up Artistin Regine Hoffmann, cremt, pudert und malt. Nadja Dragovic hat ein paar gute Posing-Ideen. Hans Keller nickt zufrieden und schießt ein Foto nach dem anderen.

Doris Borwoski: „Nein, Lampenfieber hatte ich eigentlich nicht. Frau von Landwüst, auch eine Stiftsfrau, hat mich sehr gut betreut. Da habe mich gleich gut aufgehoben gefühlt. Alle waren gut gelaunt, und es wurde viele gelacht.“

„Ich habe das Shooting sehr genossen und hatte ein Déjà-vu. Als ich 1959 und 1960 in einer der größten französischen Parfümfabriken in der Export-Abteilung als Trainee gearbeitet habe, war es üblich, dass dort Fotomodells rumliefen. Die waren nicht unbedingt schön, aber die Proportionen waren perfekt. Wir haben uns alle 08/15 gefühlt. Und nach über 50 Jahren bin ich plötzlich selbst Fotomodell. Nicht zu fassen, ich musste die ganze Zeit schmunzeln.“ „Ich bin ja kein Waisenkind, was die Arbeit mit dem Computer angeht, aber diese Übertragung von der Kamera auf den Monitor, so schnell, in dieser Qualität, ich war perplex. Der Hans Keller ist so was von einem Profi, das glaubt man nicht. Das waren wirklich zwei sehr intensive Stunden.“ „Das Fotografieren war schon gewöhnungsbedürftig: Ich musste immer posieren. Wohin nur mit den Händen? Ja, genau, mal das Gesicht hinter dem Rollkragen verstecken, rief Herr Keller. Das ist ja völlig unnatürlich, auf dem Foto sieht es dann aber gut aus.“

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